Aderalingua

Kapitel 19: Das Licht im Fenster

Three explorers explore a long abandoned Hamburg

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Vocabulary

klopfen to knock
die Entdeckung discovery
vorsichtig cautious
die Dringlichkeit urgency
die Spur trace
verlassen abandoned
schwer beladen heavily loaded
sich zurückziehen to withdraw
geschützt protected
erschöpft exhausted

Kapitel 19


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Der Abend senkt sich über den Wald, und die drei gehen langsam, denn ihre Rucksäcke sind schwer beladen und Lukas’ Verletzung zwingt sie zu einem ruhigen Tempo. Die Bäume stehen dicht, und der Wind trägt den Geruch von feuchtem Laub durch die Luft.

„Wir brauchen bald einen Platz zum Schlafen“, sagt Mira.

„Nur noch ein Stück“, antwortet Jonas. „Vielleicht finden wir etwas Geschütztes.“

Dann bleibt Lukas stehen. „Seht ihr das?“

Zwischen den Bäumen, etwas erhöht auf einem kleinen Hügel, steht ein altes, halb eingestürztes Haus. Eine verlassene Ruine—doch im oberen Stockwerk brennt ein Licht. Schwach, flackernd, aber eindeutig.

„Das ist kein Zufall“, murmelt Jonas.

Mira nickt langsam. „Jemand muss dort sein.“

Sie nähern sich vorsichtig, Schritt für Schritt, denn rennen können sie nicht. Der Boden ist uneben, und jeder Schritt muss sitzen. Als sie das Haus erreichen, bleibt Jonas vor der Tür stehen. Das Licht im Fenster flackert weiter, ruhig, fast einladend.

„Wir sollten klopfen“, sagt Lukas. „Wenn jemand dort ist… vielleicht braucht er Hilfe. Oder kann uns helfen.“

Jonas hebt die Hand und klopft an die Tür.

Einmal.

Zweimal.

Dreimal.

Stille.

Er klopft erneut, lauter.

Wieder keine Antwort.

„Vielleicht schlafen sie“, sagt Lukas.

„Oder sie wollen nicht antworten“, murmelt Mira.

Sie warten. Eine Minute. Zwei. Der Wind streicht über das Dach, und das Licht im Fenster bewegt sich kein Stück. Keine Schritte. Keine Stimmen. Keine Schatten.

„Wir könnten warten“, schlägt Jonas vor. „Vielleicht kommt jemand zurück.“

„Oder wir verschwenden Zeit“, sagt Mira. „Wir sind müde. Lukas braucht Ruhe. Und wir wissen nicht, wer hier lebt.“

Lukas atmet schwer. „Ich… ich kann nicht lange stehen.“

Jonas sieht zum Fenster hinauf. Das Licht wirkt friedlich, aber auch fremd—wie ein Rätsel, das sie nicht lösen können.

„Was, wenn es ein anderes Dorf gibt?“, fragt er leise. „Was, wenn hier Menschen leben?“

Mira legt ihm eine Hand auf die Schulter. „Dann finden wir sie. Aber nicht heute. Nicht so.“

Sie ziehen sich ein paar Schritte zurück. Das Haus bleibt still, das Licht unbewegt. Kein Zeichen von Leben.

„Wir gehen weiter“, entscheidet Mira. „Wir finden einen anderen Platz zum Schlafen.“

„Und wenn jemand zurückkommt?“, fragt Jonas.

„Dann sehen sie nur eine leere Tür“, sagt Lukas. „Und vielleicht fragen sie sich dasselbe wie wir.“

Sie verlassen den Hügel langsam, vorsichtig, und der Wald nimmt sie wieder auf. Das Licht im Fenster bleibt hinter ihnen zurück—ein stilles Versprechen, dass die Welt größer ist, voller Entdeckungen, voller Menschen, die sie noch nicht kennen.

„Es gibt so viel da draußen“, sagt Jonas, als sie einen kleinen, geschützten Platz zwischen zwei Felsen finden.

„Ja“, antwortet Mira. „Und wir müssen mehr darüber herausfinden.“

Lukas nickt. „Wenn wir zurück sind, müssen wir dafür sorgen, dass mehr Gruppen losgeschickt werden. Wir können nicht die Einzigen sein, die suchen.“

Jonas sieht in die Dunkelheit. „Es fühlt sich… dringlicher an. Als würde die Welt uns rufen.“

Sie bauen ihr Lager auf, langsam und erschöpft. Der Wald ist still, aber nicht leer. Und in der Ferne, kaum sichtbar, flackert das Licht im Fenster ein letztes Mal, bevor die Nacht es verschluckt.

Reading Comprehension Exercises

Here are some questions to help you start thinking in German.