Kapitel 16: Freund oder Feind
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Vocabulary
| die Feuerstelle | the fire pit |
| der Speer | the spear |
| die Spur | the track, trace |
| die Fußspur | the footprint |
| die Gemeinschaft | the community |
| feucht | damp, moist |
| verwittert | weathered |
| die Verantwortung | the responsibility |
| das Versprechen | the promise |
| die Vorbereitung | the preparation |
Kapitel 16
Listen to the Story
Der zweite Tag ihres Rückwegs beginnt still. Der Wald ist dichter hier, dunkler, und die Luft riecht nach feuchtem Moos und kalter Erde. Die drei gehen schweigend, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Die Rucksäcke drücken schwer auf ihre Schultern, und die Müdigkeit der letzten Tage hängt ihnen in den Knochen.
Am frühen Nachmittag entdecken sie etwas, das sie sofort langsamer werden lässt.
Zwischen zwei großen Felsen liegt eine kleine Feuerstelle. Nicht alt und verwittert wie die meisten Spuren im Wald, sondern frisch. Die Asche ist grau, aber noch warm, als Mira ihre Hand darüber hält. Daneben steckt ein Speer im Boden—handgemacht, mit einer geschliffenen Steinspitze und einem sorgfältig geschnitzten Griff.
„Das ist nicht zufällig“, sagt Lukas leise.
Jonas schaut sich um. „Jemand war hier. Vor nicht langer Zeit.“
Mira kniet sich hin und betrachtet den Speer. „Das ist gute Arbeit. Jemand weiß, was er tut.“
Der Wald ist still, aber nicht leer. Sie spüren es alle drei.
Lukas findet Fußspuren im weichen Boden. Nicht viele, aber klar. „Eine kleine Gruppe vielleicht. Zwei oder drei Personen.“
Jonas’ Stimme ist angespannt. „Sollen wir ihnen folgen? Vielleicht sind es Leute wie wir. Vielleicht… eine andere Gemeinschaft.“
Mira steht auf und sieht in die Richtung, in die die Spuren führen. Der Wald wirkt dort dunkler, dichter, als würde er Geheimnisse verbergen.
„Oder vielleicht sind sie nicht freundlich“, sagt sie ruhig. „Wir wissen nichts über sie.“
Eine lange Stille folgt. Nur der Wind bewegt die Zweige über ihnen.
„Wir könnten so viel lernen“, sagt Jonas schließlich. „Wenn es ein Dorf gibt… wenn sie überlebt haben…“
„Oder wir könnten verletzt werden“, antwortet Lukas. „Wir sind müde. Und wir haben Verantwortung. Für das, was wir tragen.“
Mira legt die Hand auf Jonas’ Arm. „Wir kommen wieder. Mit einer größeren Gruppe. Mit Vorbereitung. Aber jetzt… gehen wir nach Hause.“
Jonas senkt den Blick, aber nickt. „Ja. Du hast recht.“
Sie löschen die Feuerstelle vollständig, damit niemand denkt, sie hätten hier gelagert, und verlassen den Ort leise, fast ehrfürchtig. Der Speer bleibt dort, wo er steckt—ein Zeichen, ein Versprechen, ein Rätsel.
Als sie weitergehen, spricht Lukas leise: „Wenn wir zurück sind, müssen wir mehr Leute losschicken. Wir müssen wissen, wer da draußen ist.“
Mira nickt. „Wir sind nicht allein. Das ist gefährlich… aber auch gut.“
Jonas sieht noch einmal zurück. „Vielleicht gibt es mehr Dörfer. Mehr Menschen. Mehr Wissen.“
Der Wald schließt sich hinter ihnen, und die Spuren verschwinden im Unterholz. Doch die Ahnung bleibt: Die Welt ist größer, lebendiger und unberechenbarer, als sie dachten.
Und sie sind erst am Anfang.
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